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Wieder keine Wintermärchen


Diese entsättigte Farbfotografie von Thorsten Hülsberg zeigt einen Mast mit Videokameras.

In den letzten zwei Tagen standen die ersten beiden Spiele des Viertelfinals im DFB-Pokal an, welche hier weitestgehend in Sachen Berichterstattung boykottiert werden. Der Grund dafür ist schnell erklärt. Eigentlich hat der Pokal schon genug Probleme mit der Verzerrung des Wettbewerbs, da der Videobeweis nur teilweise zum Einsatz kommt. Nun entsteht der näch-ste Negativtrend und die Spiele werden immer wieder extrem auseinandergezogen, um sie so besser vermarkten zu können. Bevor es zum Hauptthema des heutigen Tages geht, wie der Ausverkauf zu Problemen im Sport allgemein führt, kurz die Ergebnisse aus dieser Pokalwo-che. Am Samstag siegte der FC St. Pauli in Düsseldorf noch mit 2:1 in der 2. Liga gegen die Fortuna. In einem Grottenkick am Dienstagabend endete diese Begegnung dann am Millern-tor mit 5:6 nach Elfmeterschießen. Dies alles übrigens mit großer Unterstützung von Schieds-richter Sascha Stegemann, wo doch nach der letzten Meisterschaft Fragen aufkamen, warum er ein so wichtiges Spiel überhaupt bekam. Im ZDF, wo das Spiel, mit bekannt dünner Repor-tage, live übertragen wurde, lobte man den Schiri natürlich, was bei dem dortigen Umgang mit der Realität nicht verwunderte. Am Mittwochabend spielte dann noch Hertha BSC Berlin gegen den 1. FC Kaiserslautern und es endete 1:3. Nun zum allgemeinen Ausverkauf im Sport, wozu man jüngst immer wieder auf vermeintliche Wintermärchen setzte. Es begann, wenn auch noch gemäßigt, mit der Darts-WM, wo Deutschland stark vertreten war und die Protagonisten groß gefeiert wurden aber auch ganz schnell keine Rolle mehr spielten. Wobei im Ally Pally in London niemand von einem Win-termärchen sprach. Ganz anders sah es da schon, wie jedes Jahr, bei den deutschen Adlern und der Vierschanzentournee aus. Dort suggerierten die Staatsmedien, nach einem ganz guten Auftakt, wieder den deutschen Gesamtsieg. Dies hatte sich, wie in den letzten Jahrzehnten, wo man es schon so machte, dann ganz schnell wieder erledigt. Danach sollte der Adler auch gleich bei der ersten Heim-EM im Handball fliegen, was zur Bruchlandung wurde. Nach einem erfolgreichen Start gegen Freilosgegner, kamen bei den ersten Gegnern, die man so bezeichnen konnte, auch gleich die ersten Niederlagen. Das entscheidende Spiel, womit man eigentlich die Hauptrunde überstehen sollte, verlor man dabei deutlich gegen Kroatien. Da alle anderen für Deutsch-land spielten, war man allerdings vorher schon fürs Halbfinale qualifiziert. Dort wartete dann Dänemark und gleich die nächste Niederlage. Langsam veränderten sich auch die Berichte bei ARD und ZDF und die Halbfinalteilnahme an sich wurde gefeiert und außerdem suggerierte man nun Bronze und damit die direkte Olympiaqualifikation. Für dieses Spiel musste man dann die Schweden besiegen und man ist nicht überrascht, auch an dieser Aufgabe scheiterte man und stand am Ende schlichtweg ohne Zählbares da. Jetzt war plötzlich nur noch das Turnier selbst der deutsche Erfolg, womit es zunehmend verzweifelter wurde. Man kann sich nun aber vorstellen, was dies für das Sommermärchen in ein paar Monaten bedeuten wird. Es zeigte sich in diesem Winter, mit all den Flops, doch, dass man einfach immer wieder versucht, etwas zu verkaufen, was nur wenig bis gar nichts mit den realen Leistungen zu tun hat. Da schließt sich der Kreis dann hervorragend hin zur Politik und Wirtschaft. Allerdings verste-hen all dies auch immer mehr Menschen, was zu den bekannten Problemen führt. Etwas weniger Selbstüberschätzung, etwas weniger Gier würde dem gesamten System daher gut tun, was dort aber ganz und gar nicht in der Natur der Sache liegt. Daher werden die bekannten Probleme wohl immer weiter zunehmen. Man wird dann sehen, wann somit zu viel Dampf auf dem Kessel ist. Um zu verstehen, was dann passiert, muss man kein begnadeter Physiker sein. Übrigens, von Wintermärchen spricht längst keiner mehr aber der Winter ist schließlich bald auch vorbei.


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